Wie sagt man es?

Man kann sich so ziemlich auf alles im Leben vorbereiten...nicht aber auf den Tod des eigenen Kindes... & egal was wir immer planten...niemals wollten wir soetwas am Telefon sagen...

 

12.11.2010

Als ich die telefonische Nachricht über den Unfall erhielt, war ich sofort panisch. Mein Partner sagte noch, er fahre mit mir, aber ich dachte in diesem Moment daran, dass die beiden Mädels ja nicht alleine bleiben durften...

Am Unfallort angekommen, wusste ich, ich spürte, dass ich ihn nie nie nie wieder lebend sehen werden dürfte. Ich rief meinen Partner an & bat ihn zu kommen. Dann atmete ich durch, meditativ, rief meine Eltern an.

Herrgott nochmal, sowas sagt man NIE am Telefon. dennoch hatte ich keine Wahl. Ich bat meine Eltern zitternd zu den Mädels zu fahren...Calvin habe einen Unfall gehabt...nein, ich weiß nichts genaues...(bitte verzeiht mir, dass ich gelogen habe)

Die Mädels mussten versorgt werden. Meine Tochter (12) & die Tochter meines Partners (7), die auch bei uns lebt. Meine Eltern sind sofort zu den Mädels gefahren & haben Stellung gehalten.

Als ich die Nachricht in Krankenhaus entgegen nahm, dass mein Sohn kaum Überlebenschancen hatte, wusste ich nicht wohin mit all meinen Gedanken...ich ging nach draussen, eine Rauchen, telefonieren. Zuerst meine Eltern. Aber sie hofften...(sie hofften & glaubten bis am Ende...ich konnte das nicht...)

Ich rief Sylvia an...sie hoffte & glaubte....ich rief Mandy an...sie hoffte & glaubte....

Meine Eltern nahmen irgendwann die Mädels mit zu sich nach Hause, weil klar wurde, dass wir nicht so schnell kommen würden...

 

13.11.2010

In dieser Nacht hatte sich Calvin von mir verabschiedet...ich bat Rene mit mir gegen 6 Uhr in die Klinik zu fahren. Als wir im Auto saßen, kam eine SMS von Sylvia.

Sag bitte was....

Ich konnte nichts sagen...Im Krankenhaus angekommen, setzten wir uns zu ihm. Er sah so verdammt hilflos aus. Auch wenn die Schwestern sich wirklich liebevoll um ihn kümmerten, ihn ständig ansprachen. "Calvin, wir schauen jetzt mti einem Licht in deine Augen. erschreck bitte nicht!" Der Blutbeutel füllte sich immer mehr. & eine winzig kleine blutende Träne, war angetrocknet an seinem wunderschönen Auge. Seine Abschiedsträne. ich hab sie weggeküsst....

Ich bin mir nicht sicher, aber etwa gegen 10 Uhr entschied ich mich mit meinen Eltern, telefonisch, es den Mädels schonend beizubringen. Wir nutzten jede Möglichkeit meine Eltern anzurufen. Ab 7 Uhr telefonierten wir in regelmässigen Abständen. Ich schämte mich so sehr. Ich fühlte mich so schrecklich, ihnen das Herz herausreißen zu müssen...ihr geliebter Enkelsohn...aber bei ihnen riefen alle Menschen an, alle Freunde, alle Bekannte...einfach alle.

Liza fiel in sich zusammen. Sie setzte sich auf den Schaukelstuhl & war mehrere Stunden nicht ansprechbar. Sie schob auch jeden weg, der in ihre Nähe kam. Erst als wir aus dem KH zurückkamen, etwa gegen 14.00 ließ sie Nähe zu. Wir umarmten uns, küssten uns & weinten.

Es fällt mir im Moment uneimlich schwer...es tut so schrecklich weh..als wäre es gestern gewesen....

Wir packten unsere Mädels ein & fuhren nach Hause. Noch bevor wir richtig da waren, füllte sich unser Haus, mit all unseren Lieben. Es waren inzwischen alle informiert. & sie kamen wirklich von überall her. Kein Weg schien ihnen zu weit zu sein, als in diesem Moment bei uns zu sein. & ich bin dankbar darüber, denn sie kümmerten sich um alles. Wir durften uns fallenlassen. ich bin auch wirklich bis heute dankbar, dass so viele Menschen hinter uns stehen, zu uns stehen & für uns da sind.

Ich habe mal gelesen, GLÜCK VERSCHAFFT FREUNDE, UNGLÜCK STELLT SIE AUF PROBE. Das stimmt. Wir haben diesbezüglich mehr als nur Glück.

Gegen Nachmittag rief ich bei der Polizei an, mit der Bitte, Calvins Vater zu informieren, da ich gar nicht wusste wo dieser lebt. Sie fanden ihn, informierten ihn ...

Meine Freundin Yvonne übernahm ab da sämtliche Telefonate. Ebenso wie ich an dieser Stelle Isi ein großes Lob aussprechen mag. Klasse gemacht ...

Die Nachricht verbreitete sich wie ein Feuer..noch BEVOR Calvin offiziell Tod erklärt war, landeten schon die ersten Beileidskarten bei uns im Briefkasten. Ich wusste dass mein Sohn keine Chance zu überleben hatte, aber NOCH war er NICHT tot. & ich öffnete bereits weit über 50 Karten...

 

14.11.2010

Bevor wir in die Klinik fuhren, leerte ich wieder den Briefkasten. Ich weiß gar nicht wie all die Menschen nachts die Karten eingeworfen haben... Es waren so viele.

Im KH angekommen, bereiteten wir uns auf das Schlimmste vor. Zentrale Anlaufstelle für alle waren meine Eltern...sie waren stündlich informiert, sie wussten Bescheid, & sie konnten es den anderen sagen.

Man lernt sovieles, aber das war nicht dabei...ich wollte niemals, wirklich niemals in meinem ganzen Leben solch eine schreckliche Nachricht per Telefonat übermitteln, aber wir hatten keine andere Wahl.

Die vorletzte Untersuchung stand an. Wir telefonierten mit meinen Eltern. Das Gespräch kam ... das Ende wurde klargemacht. Rene & ich gingen nach draussen, telefonierten mit meinen Eltern ... es tut mir immernoch leid es telefonisch gesagt zu haben...