Der neue Weg

Es ist gar nicht einfach, einen Weg zu gehen, den man nicht gehen wollte...

Ich hatte mein Leben anders geplant, war meinen Weg gedanklich längst gegangen... Ich wollte nicht viel. Ich wollte nur meine Kinder wachsen & gedeihen sehen, ich freute mich auf jede Veränderung, auf die Tiefen & Höhen ihres Lebens... Ich wollte Frieden, unsere Ruhe, einfach nur unser Sein geniessen.

Ich war dankbar, unendlich Dankbar für alles was ich hatte, denn das was ich hatte, war mehr als ich mir zu träumen gewagt hatte. Ich war stolze Mutter zweier wundervoller, gesunder Kinder. Das ist keine Selbstverständlichkeit, das wussten wir alle, wir waren nie Weltfremd. Nichts war kostbarer als das was ich hatte. Ich war, in meinen Augen, die reichste Frau.

& dann fand ich mich nach Monaten wieder, auf einem Weg, den ich nicht kannte. Einem Weg, den niemand wollte. Geteilt zwischen allem & jenem. Ich weiß, meinem Sohn geht es gut. ich weiß wo er ist & ich bin unendlich dankbar für all seine Besuche. Wie oft er da ist. & immer wenn er mit mir spricht, schaffe ich ein paar Meter weiter zu gehen ... auf meinem neuen Weg. & diese Schritte sind leicht & voller Zuversicht. & dann kommen wieder jene schwarze Wolken über mich, die mich stehen lassen, einsam, auf diesem Weg, der dann grau & zerstört auf mich wirkt...

Ich habe soo vieles gelernt, allem voran, dass es so wahnsinnig viele Menschen gibt, die mein Schicksal teilen, & ich bin dankbar dafür, denn wir halten uns gegenseitig an den Händen - auf diesem Weg, den niemand von uns gehen wollte...

& ich habe gelernt, dass ich mehr Freunde habe, als ich dachte. (Meine geschätzte Zahl war bereits sehr hoch, aber die Realität ist deutlich drüber!) Es sind so viele Menschen da, die manche Strecken mit mir gemeinsam gehen, ohne Zögern. Die mich an die Hand nehmen, oder mich einfach nur halten. Die mit mir Reisen in die Vergangenheit machen, & mit mir in einem Meer der Erinnerung noch einmal mit Calvin leben...

Ich wollte nie in der Vergangenheit leben, sondern stets freudig in die Zukunft blicken... Nun lebe ich überall & nirgendwo. Es gibt keinen Anfang mehr & kein Ende... Es gibt nur noch das Sein, das ist, ob man will oder nicht. Ich bin nicht länger dankbar für das was ich habe, ich halte nichts mehr fest, was ich liebe, denn was ich auch gelernt habe : Die Liebe ist die Liebe, überall, immer, & frei. Die Liebe ist grenzenlos. Vorrausgegangene Seelen schenken Liebe über jede Dimension hinweg - immer & überall. Ich kann die Liebe nicht festhalten. Die Liebe ist. & auch wenn ich weine, weil ich meinen Sohn vermisse, (ich wollte fast schreiben, dass ich dankbar bin, die Liebe von ihm weiterhin zu spüren) ist es ein großes Gefühl, wenn seine Seele zu mir reist, & mich stärkt...

 

Ich habe gelernt, die Zeit ist mein größter Feind, & zugleich mein wichtigster Freund...

Ich habe gelernt, dass die Sehnsucht nach einem geliebten Menschen Kraft geben kann, oder zerstören kann...