Der Unfall

Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen.

Albert Einstein

 

12.11.2010

Es war gegen 17.00 Uhr, als Calvin mit seinem Freund nach Hause kam & fragte ob ich ihn nach Laupheim fahren würde.....
„Klar“, hab ich gesagt, lieber fahre ich, als irgendwer. So bin ich halt. Meine Eltern waren auch da & als wir fuhren, haben sie sich verabschiedet. Niemand ahnte, dass es DER Abschied sein würde…
Während der Fahrt fragte ich mehrfach, wo sie hinwollten, & sie entschieden sich, dass ich sie in der Stadtmitte raus lassen soll. Ich lachte noch & meinte: „Hey ihr geht doch eh bestimmt in den McDonald, dann kann ich euch gleich hoch fahren!“ „Ne, lass mal. Stadtmitte!“
Während der Fahrt erklärte mir Calvin noch, dass er, wenn er fertig studiert hat (er wollte Meeresbiologe werden) in Spanien anfangen wollte. Ein kleines Ferienhaus dort kaufen & dann rein ins Meer. & dann, Stück für Stück die Weltmeere erforschen, Tiere retten, die Natur retten.
Etwa gegen 17.30 stiegen die Jungs aus dem Auto. Stadtmitte. Der letzte Bus würde um 20.05 fahren. Ich sagte noch, er solle anrufen, wenn er im Bus sei. (Ich war immer so) „Boah, ja Mama. Mir passiert schon nichts!“ (Das sagt wohl jedes Kind!) Ich erklärte noch, dass ich sie, sollten sie den Bus verpassen gerne abhol. Nur anrufen. Auf keinen Fall stoppen. Sein Freund sagte: „Ne, so n Scheiß machen wir nicht. Dann laufen wir lieber!“ „Ne“, erwidere ich „anrufen. Nicht laufen. Das ist zu dunkel, zu kalt & doof. Ich hol euch dann. Ist echt kein Problem!“ Die Jungs lachen nochmal & wir verabschieden uns.

Ich muss Pause machen. Mein Puls rast.

Etwa um 18.00 stand ich in der Küche & habe mir ein Brötchen gemacht, mit Eiersalat. Darum haben wir eigentlich immer "gekämpft". & ich lächelte in den Himmel & grinste & dachte so bei mir: "Calvin Du Glückspilz. Ich habe zwei Päckchen gekauft. Dass Du auf jeden Fall noch etwas bekommst." & dann starrte ich mehrere Minuten in den schwarzen Himmel & fragte mich, wieso ich an Dich dachte... (Später erfuhr ich, dass dies der Zeitpunkt Deines Sterbens war! Aber Liebling, ich war in Gedanken bei Dir, wenn auch aus anderen Gründen - aus lebendigeren Gründen. Aber ich war da. Mit Dir verbunden!!!)
Um 18.38 klingelte mein Telefon- es war die Mutter des Freundes. „Yvonne du musst schnell kommen. Calvin ist was Schlimmes passiert, er hatte einen schrecklichen Unfall!“ Ich bin gefahren wie eine Gestörte. Mir war alles egal … vor dem Unfallort war Stau, ich fuhr auf der Gegenspur weiter, bis hinter das Polizeiauto. Die beiden Polizisten kamen auch direkt auf mich zu. Die Unfallstelle selbst war nicht abgesichert. Kein Warndreieck, geschweige denn eine Sicherung der Spuren...Unzählbar viele PKWs fuhren bis ans Heck des Unfall PKWs, über die Spuren auf der Strasse um dann auf der Gegenfahrbahn an der Unfallstelle vorbeizukommen. (Gehört das heute nicht mehr dazu? War das nur früher mal so?) & es wird auch nie eine Zeugenaussage des Zeugen geben, der den Unfall direkt vor sich sah. (Wieso nicht? Wieso von so vielen, die weit weit weg waren & nicht einmal richtig angeben konnten wo Calvin die Strasse überquerte? Wieso nicht von dem, der es GESEHEN hat, weil sich alles vor seinem PKW abspielte?)
Hier muss ich erwähnen, dass ich einige Jahre bei der Notfallseelsorge war. Warum ich das erwähne? Weil ALLES was ich gelernt habe vollkommener Blödsinn war. Menschlichkeit? Sensibilität? Pffffz.... Die Realität sieht so aus, das mich ein Beamter aufklärte, dass mein Sohn inzwischen auf dem Weg in die Klinik war … sie konnten mir nicht einmal den richtigen Namen der Klinik sagen, was Blöd ist, weil Ulm eine Uni Stadt ist, mit vielen, vielen Kliniken. (Sie sagten mir einen Kliniknamen, den ich noch nie zuvor gehört hatte!!! & diese Klinik gibt es in Ulm auch nicht! & jeder, der jemals im Schockzustand war weiß, dass man in solchen Momenten im Leben keinen Zugriff auf logische Gedanken hat...)
Es sehe schlecht um ihn aus. Er sei selber schuld!


Ich habe darauf bestanden den Ort zu sehen, wo mein Sohn aufschlug, nachdem ihn das Auto erfasste. Es war voller Blut. Es sah schlimm aus & in diesem Moment wusste ich, dass mein Sohn im Sterben lag. Dennoch hoffte ich auf ein Wunder ... was ich bis zum Schluß tat ...


Mit meinem Freund fuhr ich sofort nach Ulm. Unterwegs riefen wir mehrfach meine Eltern an, weil wir ja diese "scheiß" Klinik nicht kannten... Auf gut Glück fuhren wir in die UNI Klinik. Wir fragten in der Notaufnahme, nach meinem Sohn. Unfallopfer aus Laupheim. "Ah, ja der Fahrradfahrer!" "Nein", sagte ich. "Der Fußgänger!" "Ne, ne, uns wurde er als Fahrradunfall angekündigt!" "Wurden noch andere aus Laupheim gebracht?" "Nein, nur der Schüler!" Damit war klar,  mein Sohn war da. Zuerst, in der Notaufnahme angekommen, musste ich Bürokratie erledigen. Den Fragebogen ausfüllen. Ich fragte den jungen Mann, der mir den Bogen in die Hand drückte, wie es meinem Sohn gehe. & jetzt zitiere ich seine Antwort: „Och, dem geht’s gut. Den können sie wahrscheinlich heute oder morgen wieder mitnehmen!“


Etwa eine Stunde (?) später kam ein Arzt heraus, mit einer Schwester & sie nahmen mich mit in ein Behandlungszimmer. Ich habe nur noch wenige Erinnerungen an dieses Gespräch. Ich weiß, ich war alleine, auf diesem kleinen schwarzen Drehstuhl & meine Beine schoben mich automatisch in die Ecke … Fluchtinstinkt … Dieser Arzt, ein wirklich gefühlvoller Mann, erklärte mir, dass er Chirurg sei & bis jetzt bei Calvin gewesen sei. Er könne nichts für meinen Sohn machen, da er für innere Verletzungen zuständig sei, aber mein Sohn habe keine Verletzungen die er behandeln könne. Hier wurde ich erst mal aufgeklärt wie es um ihn stand. Er hatte schwerste Kopfverletzungen. Schweres SHT. Durch den starken Aufprall, den Rückschlag & der Aufprall auf den Boden nachdem er durch die Luft geschleudert wurde, waren bereits tödlich. Er starb schon wenige Minuten nach dem Unfall am Unfallort. Wahrscheinlich gleich, nachdem er auf den Boden geprallt war.

(Inzwischen weiß ich, dass Calvin komplett über das Auto geflogen war, welches UNGEBREMST in ihn fuhr!!! UNGEBREMST!!! Auch weiß ich inzwischen, dass der Fahrer den Notruf absetzte über einen verunglückten Fahrradfahrer! Calvin war aber kein Fahrradfahrer. Er war Fußgänger!!! )

Der Notarzt hatte ihn 22 Minuten reanimiert & dann wurde er in die Uni gefahren. (Wieso hat man ihn nicht geflogen? Bei soo schweren Kopfverletzungen wird man normal immer geflogen!)  Calvin hatte zwei Halswirbelbrüche, Schädelbasisbruch, das Gehirn schwerst geschädigt.
Der Hirndruck meines Sohnes sei viel zu hoch, sie hatten ihm ein bisschen die Schädeldecke geöffnet, aber mehr könne er im Moment auch nicht sagen. Nur, dass er kaum eine Chance zu überleben hätte. (Ich möchte hier erwähnen, hätte es Calvin überlebt, wäre er schwerst behindert gewesen. Geistig, wie auch körperlich. Er wäre ab Hals abwärts gelähmt, könnte NICHTS mehr bewegen, nicht einmal mehr alleine Atmen.)


Ich ging zurück, in die Wartehalle der Notaufnahme … entschied mich dann, ehrlich zu meinen Eltern zu sein, & ihnen die Wahrheit zu sagen, dass Calvin sterben wird. Auch meine Freunde habe ich informiert … Ich war leer, meine Gedanken waren leer, mein Herz schlug nur noch gefühlslos vor sich hin …Ich weiß nicht...mein Baby soll sterben? Dazu war ich bei Gott nicht bereit! Sowas darf nicht passieren. Dennoch wollte ich niemandem Hoffnung machen, wo es keine Hoffnung gab.
Nach einem weiteren Gespräch, mit dem behandelnden Arzt, durften wir zu Calvin. Er lag auf der Intensivstation.
Ich erinnere mich an drei Betten. Ich wollte ans linke Bett gehen, aber die Schwester brachte uns ans Mittlere…dorthin wollte ich nicht. Dieser Mensch sah schlimm aus. Aber ich musste dort hingehen, das war mein Sohn! Als ich ihn sah brach meine Welt endgültig zusammen. Er sah so hilflos aus, zwischen all den Schläuchen, den Maschinen. Sein Gesicht war blutig & geschwollen, der Hals stabilisiert, am Kopf oben, ein Schlauch durch die geöffnete Schädeldecke. Seine Lippe geschwollen.


(Es war November ... Calvin & ich hatten jedes Jahr die selben Diskussionen. Ich sagte: Haare ab, eine venünftige Frisur muss her, er sagte immer: "Es ist Winter, da halten meine Haare warm!" Ich entgegnete ihm dann jedes Mal, dass er eine Mützen tragen kann, er verneinte... Jedes Jahr, ab Herbst ließ er sich seine Haare wachsen, & auch dieses Jahr... & , wieso auch immer, irgendwie hat es sich in meinen Kopf gebrannt, dass die Ärzte ihm die Hälfte seiner Haare abrasiert hatten...)

Ich hab geweint & dennoch zu ihm gesprochen.
„Schatz, Liebling, ich bin jetzt da. Calvin, ich bin bei dir. Ich liebe dich.“ Ich habe ihn geküsst, seine Hand gehalten. „Calvin, geh bitte in dich. Schau dir deine Verletzungen an. Du erinnerst dich, man kann ALLES heilen, ich hab dir das mal erklärt. Nichts ist unmöglich. Aber Schatz, wenn Du die Verletzungen nicht hinbekommst, dann geh nach Hause. Ich lass dich los. Weil ich dich liebe, & nur das Beste für dich will. Aus Liebe!“
Seine Seele sprach zu meiner Seele & wir haben den ersten Moment für uns „bereinigt“. Calvin schickte mich nach Hause. Er wusste dass ich da war, er hat mir vom Unfall berichtet, seine letzten Sekunden gezeigt. & noch einiges mehr, was mich dann entschließen ließ, nach Hause zu fahren. Er wollte dass ich gehe. In dieser Nacht um kurz vor zwei Uhr weckte seine Seele mich. Ich sah ihn „gehen“ & rief: „Schatz bitte, geh nicht!“ Er sagte ruhig: „Doch Mami, ich kann nicht mehr zurück. Ich gehe jetzt!“ Ich weinte & schrie: „Nein Calvin, bitte, ich kann nicht ohne dich!“ „Mama ich liebe dich!“
Ich habe das morgens meinen Eltern erzählt … & meinem Partner.


13.11.2010


Es war schrecklich ... ich kam im Krankenhaus an ... ich wusste wie es um Dich stand, ich hoffte dennoch ...
Während wir bei Dir waren, hat sich unser Haus gefüllt, mit unserer Familie, unserern Freunden, niemand wollte uns in diesen Momenten alleine lassen. Die Wenigsten fragten, ob sie kommen durften. Sie kamen einfach. & das war gut so. Alle Menschen die uns wichtig waren waren da, haben sich liebevoll um uns gekümmert. (In dieser Zeit erlebten wir, wem wir wichtig waren & wem nicht!)


Schweigend saßen wir bei Dir, was konnten wir schon tun? Mittags fuhren wir nach Hause, tranken Kaffee im Kreise unserer Familie & Freunde & abends ging ich mit Deiner Patentante noch einmal ins Krankenhaus. Ich hatte Deinen MP3 Player dabei, hab die Hörer hinter die Mullbinden am Ohr gesteckt. Habe mit Dir gesprochen, geweint, ja, ich habe sogar gefleht, gebettelt & gewinselt, dass sich alle täuschen. Zu diesem Zeitpunkt schoß auch kein Blut mehr aus Deiner Nase, Deinem Mund, Deinen Ohren. Bis dahin hattest Du über 700 Mililiter Blut aus dem Kopf verloren...es wurde regelmäßig abgesaugt. Dicker Mull verhinderte, dass das Blut überall floß...


Entgegen der Meinung der Ärzte machte ich Bilder von Dir. Sie meinten, das täte mir nicht gut. Ich sagte aber, dass ich sie jederzeit löschen kann, aber nie wieder welche von meinem Sohn machen könne. Sie hatten Nachsicht, ich fotografierte Dich. Ich küsste Dich, streichelte Dich. Deckte Dich zu, wenn Deine Körpertemperatur nach unten ging & deckte Dich auf, wenn sie zu hoch war. Sie schwankte von 35,2°C & 38,5°C. (Das lag daran, dass sein Körper nur noch auf die Aussenwelt reagierte. Kam die Sonne, wurde er warm, war sie weg, wurde er kalt.) Gab Dir meinem Schal, dass Du mich riechen konntest, auch wenn ich wusste, dass Du längst Tod warst...Liza bat mich die Kuscheltiere mitzunehmen. Dass Deine Energie sich noch ein bisschen auf sie überträgt. Ich legte also den mini Bär, den ich bei meiner Geburt, Du bei Deiner & Liza bei ihrer Geburt hatte neben Deine Wange, & den kleinen Hund von ihr, dazu.
Zu diesem Zeitpunkt stand ich bereits Meilen neben mir...es gibt nichts, was mich jemals hätte schlimmer treffen können!

 


14.11.2010


Ich rief etwa gegen 4.00 Uhr morgens in der Klinik an. Da muss ich die Uni loben, ich durfte IMMER anrufen, man war nie unfreundlich, im Gegenteil. Sie baten mich sogar immer anzurufen, wenn es mir danach sei. Was ich auch beinahe im Stundentakt tat.
Als ich an diesem Morgen, um 4 Uhr eine Schwester dran hatte, fragte ich nach den Werten meines Sohnes & sie sagte, wie jeder zuvor immer... "Unverändert!" Dann holte sie tief Luft & sagte:" Frau S. wenn sie nachher kommen, vielleicht könnten sie mal bis dahin über Organspende nachdenken, weil die Organe ihres Sohnes ja noch alle gut sind!"
Was soll ich dazu sagen??? Mal so nebenbei aufgeklärt, dass man ihn als Secondhand-Shop für Innereien sieht??? Hallo???
Mein Freund & ich sind etwa gegen 8.30 in der Klinik angekommen. Ich möchte hier meinem Partner danken, der jede Sekunde bei mir war, in dieser schweren, schweren Zeit. Auch wenn es ihm ebenso schlecht ging, gab er mir Halt.
Calvin`s Gesicht war ein bisschen abgeschwollen, & es kam kein Blut mehr aus dem Kopf. Ich bat die Schwester ihm diese Mulldinger wegzumachen. Er war doch so ein hübscher Junge. Nochmal machte ich Bilder von ihm. Ich weiß auch nicht warum ... ich kann sie nicht ansehen...aber ich weiß, sie sind da.
Um zehn Uhr war Visite. DIE Untersuchung...ich betete, ich hoffte, ich weinte ... aber ich WUSSTE dass er nie wieder in meinen Arm liegen würde, mich nie wieder küssen würde, nie wieder zum Lachen bringen würde & nie wieder ALLES!!! Nie wieder...
Anschließend wurden wir von dem Arzt, der auch die Tage zuvor die Untersuchungen geführt hatte ins Zimmer gebeten. Calvin wurde offiziell als Hirntod erklärt. Ich erzählte ihm die Sache mit Calvins Abschied, am Samstag morgen um 2 Uhr & er wurde blass & sagte mir, dass zu diesem Zeitpunkt tatsächlich der Hirntod bei ihm eintrat ...& dass er sowas auf der Intensivstation schon so oft gehört habe...(Er musste daran glauben, auch wenn es ihm Unbehagen machte)
Vorsichtig sprach er das Thema Organspende an. Ich sagte ihm. dass man mich das bereits am Telefon gefragt hätte & er wurde wütend. Er entschuldigte sich für dieses Telefonat, weil es eigentlich NIE so gesagt werden dürfte...zu spät...
Calvin hatte mich im Sommer auf Knochenmarkspende & Organspende angesprochen. Ob ich einen Ausweis habe. Ich sagte, dass ich seit x Jahren in der Deutschen Knochenmarkspendedatei sei...Organspendeausweis habe ich nicht, aber wenn mir was geschehen würde, würden Mimi & Hoppi wissen, dass man meine Organe entnehmen soll. Calvin sagte mir:"Wenn ich sterbe, will ich meine Organe auch spenden. Ich brauch sie ja dann nicht mehr & vielleicht kann ich so vielen Menschen den Schmerz nehmen & Leben schenken!" ( & ich sagte ihm noch, Hey Kumpel... DU brauchst das nicht...denn DU wirst Deine Organe alle selbst brauchen, bis Du alt bist!)
Ich verabschiedete mich von meinem Sohn, & "netterweise" wurde mein letzter Kuss an ihn an Sterbezeit eingetragen, obwohl das alles Stunden später geschah.


CALVIN HAT IN DIESER NACHT SEHR VIELEN KINDERN & ERWACHSENEN DAS LEBEN GERETTET!!!


Sollte je ein Mensch diese Zeilen lesen, der möglicherweise ein Organ meines Sohnes empfangen hat...ich hoffe es geht ihm gut...


& was ich noch loswerden möchte... ES WAR AUCH IN DER UNI KEIN SEELSORGER FÜR UNS DA!!! WIR WAREN DIE GANZE ZEIT VOLLKOMMEN AUF UNS ALLEINE GESTELLT!!!


Heute ist der 14.02.2011
Inzwischen weiß ich, dass Calvin 6 Menschen durch seine Organspende ein neues Leben geschenkt hat.

Heute ist der 14.02.2012

Eine Person ist zwischenzeitlich gestorben - von den anderen habe ich bis heute nichts gehört. Das ist sehr traurig, wie gleichgültig Menschen sind, sobald sie haben, was sie brauchen.

 

Der Fahrer des PKW hat sich selbst bis heute nicht gemeldet. Aus der Akte weiß ich, dass er nach dem Unfall seine Kumpels vom Bahnhof zum Feiern abgeholt hat. (Er wollte sie schon um 18.00 Uhr abholen, aber das war der Zeitpunkt, auf die Minute, des Unfalls!)

Er ließ mir jedoch ausrichten, dass es ihm gut damit ginge. Er das rational sehe, von Anfang an. & Calvin ja selber schuld sei.

Schön, dass es wenigstens jemand rational sehen kann. Ich kann es nicht. Denn mein Junge ist TOT!!! Das ist NICHT rational. Durch ein dummes Wort dies alles abzuwinken, abzuwehren. Das ist das schrecklichste was einer Mutter passieren kann! Unser aller Leben ist unter diesem enormen Druck erschlagen worden. Meine Eltern, die nie wieder so glücklich sein werden, meine Tochter, der die Kindheit dadurch geraubt wurde, von meinem ganz zu schweigen. Bist Du Dir dessen überhaupt auch nur im Ansatz bewusst, was Du uns angetan hast? Als Du ungebremst in den "Fahrradfahrer" gefahren bist??? In meinen Jungen?

 

REMEMBER REMEMBER

12TH OF NOVEMBER

 

"Wer die Wahrheit nicht kennt, ist nur ein Dummkopf.
Wer aber die Wahrheit kennt und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher."
Galileo Galilei

 

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Fahre unangeschnallt - & Du zahlst 40 Euro

Fahre zu schnell - & Du zahlst ab 15 Euro

Parke falsch - ab 15 Euro

Calvin über den gesamten PKW schleudern & erst NACH Aufprall zu bremsen beginnen --- 0 Euro - Straffrei

Ich habe viele Eltern kennengelernt, die ihre Kinder im Strassenverkehr verloren haben --- nur in einem einzigen Fall gab es ein Urteil gegen den Unfallfahrer...ein "Fall" von hunderten...

 

 

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